Orientierungsplan Niedersachsen (von 2005)

A  Original-Texte

Hier finden Sie den Orientierungsplan, im PDF-Format den, den Sie auch kaufen können: Orientierungsplan blau grün

und den, den Sie auf der Veranstaltung bekommen:

Orientierungsplan 05 verkleinert

Außerdem, falls Sie mal vergleichen wollen, den von Bayern:

bildungsplan_Bayern

B. Was die Entstehung des Orientierungsplans besonders beeinflusst hat

Stichworte zu einem Vortrag mit Folien und Veranschaulichungen

Im Laufe der Zeit gibt es in vielen Bereichen einer Gesellschaft Veränderungen. Es gibt neue Forschungen, neuere Erkenntnisse, bessere Methoden, andere Erklärungen (> Medizin), neue Medien, politische Entwicklungen. Das gilt auch für die Entwicklung und Erziehung von Kindern.
Es dauert immer einige Zeit, bis sich Sichtweisen und Erkenntnisse bis zur Praxis durchgesetzt haben.

  1. Päd/Psy Sichtweisen
    1.1 Begabung
    Das „alte“ Modell Anlage  – Umwelt wurde um den Faktor „Selbststeuerung“ erweitert.
    1.2 Intelligenz
    Die Sichtweise „Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst“(sprachlich und mathematisch dominiert) wurde relativiert zu einem vielfältigeren (Gardener).
    1.3 Lernen
    Die enorme Lernfähigkeit kleiner Kinder wurde nachgewiesen. Lernfreude. Schwamm statt Trichter.
    1.4 Ent-Wicklung
    Die defizitorientierten, auf Erwachsene bezogenen vergleichende Entwicklungspsychologie weicht einem autogen gesteuerten Ent-wicklungs-Modell („utveckling“).
    1.5 Bildung
    Die Vorstellung, Bildung sei nur Wissen und Können, das, was die Schulen vermitteln, ist abgelöst durch Bildungsdefinition, auf die sich namhafte Vertreter sämtlicher Bildungsbereiche in der Bundesrepublik geeinigt haben:  „Bildung ist der umfassende Prozess der Entwicklung und Entfaltung derjenigen Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, zu lernen, Leistungspotentiale zu entwickeln, zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten.“(Pisa/IGLU/starting strong) 
  2. Sichtweise „des Kindes“ (Perspektivwechsel)
    2.1 Konstruktive Sicht des Kindes
    „Kinder bauen selbst ihr Haus des Könnens und Wissens.“ „Lernen wie man lernt!“
    Folgen: Selbst-Lerner, Selbst-Entwickler (Akteure ihrer Entwicklung), Selbststeuerer, Eigeninitiative, Spiel, Individuum statt Gruppe
    2.2 Kinder sind Rechtssubjekte
    UN-Kinderrechtscharta (1989, BR 1992).  KJHG von 1991: Recht auf Erziehung, Bildung, Betreuung
    Folgen: Partizipation, Selbstwirksamkeitserfahrungen
  3. Folgerungen für den Erziehungs-/Entwicklungs-Prozess
    3.1 Erzieherinnen sind Ent-Wicklungsbegleiterinnen und Ent-Wicklungsunterstützerinnen
    3.1 Erzieherinnen sind Ko-Konstrukteure
    3.2 Erzieherinnen sind Gerüst (scaffolding)

© Bü/QfürKIII

 

C. Ein kleine inhaltliche Übersicht zum Orientierungsplan

Die Zahlen sind exemplarische Seitenzahlen, die erste bezieht sich auf die komprimierte Fassung von REIF, die zweite auf die geheftete grün/blaue

 1. Was ist mit dem Orientierungsplan beabsichtigt?

A. Größere Verbindlichkeit für die Bildungsarbeit – und doch nicht verbindlich  (Finanzen, Erzieherinnen-Bild), Erfüllung der KMK-Vereinbarung von 5 + 6/2004

B. Transparenz von Bildungsprozessen im Kindergarten – gute Arbeit ist vorausgesetzt

C. Qualitätsentwicklung – Q-E-Instrument der Landesregierung

D. Öffnung – der Einrichtung nach außen: für Eltern, Künstler, MA anderer Einrichtungen, Köpfe

E. Etablierung des Kindergartens als erste Stufe des Bildungssystems – mittelfristig

2. Zusammenfassung

A. Kinder

  1. werden als Subjekte gesehen 11/11
  2. werden als selbständige Lerner verstanden und ganz ernst genommen in ihrer Fähigkeit, sich kompetent selbst zu bilden – wenn auch ko-konstruktiv 11,12,40 /11,33
  3. werden als Individuen gewürdigt und sollen auch so gefördert werden 40,47/33,39. ihre individuelle Ent-wicklung, ihre individuellen Bedürfnisse und Interessen werden ausdrücklich gewürdigt. Ihre in der KITA beginnenden Bildungswege sollen individuell wahrgenommen, begleitet und gefördert werden.

 

B. ErzieherInnen                                             (neue Rolle „Forschende Pädagoginnen“ 46/39)

  1. sollen vor allem nun die einzelnen Kinder im Blick haben 40/33 und sie bei ihrer selbstbildenden Weltaneignung unterstützen 11,12/11
  2. haben vor allem „Bildungsbegleitungsfunktion“ 42/33; dazu wird von ihnen ein hohes Maß an Kreativität, Einfühlungsvermögen und Beobachtungsfähigkeit erwartet 12/11           (scaffolding = Gerüstbau, Ko-konstruktion = gemeinsamer Bau des Hauses des Könnens und Wissens,  Leipziger Bildungsdefinition 2002)
  3. sollen intensiv beobachten, reflektieren, und die individuelle Entwicklung von Kindern dokumentieren 42,47,58/35,39,51 (durch Bildungsbücher, Portfolios, Aufzeichnungen, werden später evtl dem Kind bzw den Eltern ausgehändigt 47/39, und – falls die Eltern einverstanden sind – auch den Grundschulen 59/51)
    Ziel der Beobachtung ist immer eine Erweiterung des Verständnisses für das Kind 47,39
  4. sollen gezielt (Bildungs-)Angebote machen 41/34, und dabei Kinder an der Themenauswahl und Festlegung der Arbeitsschritte altersgemäß beteiligen 19/16,17
    (Partizipation = Teilhabe))
  5. sollen ihre Arbeit regelmäßig evaluieren 14/12 und sich ständig weiterbilden 49/41
  6. sollen ihre Fachlichkeit entwickeln und diese auch anderen KITAS zukommen lassen 49/40
  7. sollen ihre bisherigen Arbeits-Schwerpunkte (z.B. ästhetische Bildung) durch andere Bildungsbereiche relativieren und ergänzen
  8. sollen mehr Mitbestimmung (Partizipation) der Kinder  zulassen 11/10, dafür eine „Beteiligungskultur“ entwickeln 42/36
  9. haben Kooperationsaufgaben gegenüber Eltern 50/42 und GrundschullehrerInnen 53/46 (> Grundschul-Erlass!)
  10. bekommen besondere Anregungen: Literacy 26/21; Computer 26,33,63/21,26,52; Video 62/52.

 

C. Einrichtungen                           (bekommen zum Umsetzen nicht mehr Geld!!! Vorwort 2/4)

  1. sollen neu wahrnehmen: Kinder (s.o.), eigene Räume 45/38, Ausstattungen 61/52, Materialien, Abläufe, Angebote
  2. sollen lernanregende Umgebung sein 12,19,41/11,16,34: „Lernwerkstatt“ statt „Spielraum“ mit Funktionsecken 41/34
  3. eine Fülle von (Selbst-)Bildungsgelegenheiten für Kinder bieten 41/34
  4. sollen von einer  fehlerfreundlichen Lernatmosphäre geprägt sein 20/17, in der Kindern ein Höchstmaß an Wertschätzung zuteil wird 16/15
  5. müssen intensiv Qualität entwickeln 57/48        wichtig dabei ist:
    Prozesse der Bildungsarbeit transparent zu machen 50,57/43,48 (also beschreiben, was getan wird),
    sich an den Inhalten des Plans zu orientieren 57/49,
    klare Qualitätsentwicklungsziele gemeinsam zu definieren und
    die Arbeit regelmäßig zu überprüfen und zu evaluieren,
  6. sollen Konzeptionsentwicklung/-revision an den Inhalten des Plans orientieren 40,57/33,48
    Inhalte der Konzeption sollen auch sein: Selbst- und Fremd-Evaluation 58/49, Aussagen über Begleitung, Förderung und Herausforderung frühkindlicher Bildungsprozesse 57/49 – damit auch das Bild vom Kind als sich selbst bildendes Subjekt 11/11, Orientierung an der Unterschiedlichkeit von Kindern und deren Eltern 40/33
  7. sollen sich öffnen für neue Inhalte, neue Arbeitsformen, Elternmitarbeit, Vernetzung mit anderen Einrichtungen…

 

D. Eltern                                                        (haben durch LEV an der Erstellung mitgewirkt! )

  1. sind kooperative Partner (und nicht Objekte von Elternarbeit!) 50/42, Kooperationsmöglichkeiten werden in Fülle angeregt
  2. haben Anspruch auf ein hohes Maß an Transparenz im Hinblick auf die Bildungsziele und Arbeitsformen in der KITA 50/43 sowie auf Information über die Praxis der Bildungsbegleitung und Dokumentation der Lernentwicklung in der Einrichtung 47/39
  3. werden in ihrer häufig vertretenen Auffassung, Kinder müssten in der KITA „möglichst viel beigebracht kriegen“, ausdrücklich korrigiert: das Kind ist nicht Objekt der Bildungsbemühungen anderer, sondern Subjekt des (ergebnisoffenen, ohne Zeitdruck stattfindenden, vom eigenen Lernrhythmus bestimmten 18/16 auch 12,42/11,35) eigenen Bildungsprozesses
  4. werden zur Wahrnehmung ihrer Mitwirkungsmöglichkeiten in der KITA ausdrücklich ermutigt 52,53/44,45
  5. werden aufgefordert, sich politisch für ihre Kinder und deren Interessen zu engagieren 53/45.

 

E. Kooperation zwischen KITAG und Grundschulen

  1. soll „konkurrenzfrei auf gleicher Augenhöhe“ geschehen 53/46
  2. wird vielfältig angeregt, insbesondere um den Übergang zu erleichtern (Austausch, gegenseitige Information über pädagogischen Konzeptionen, gemeinsame Fortbildungen, gegenseitige Hospitationen, wechselseitige Teilnahme an Gremien und Veranstaltungen, Bestimmung von Kooperationsbeauftragten, Kooperationsvereinbarung) 55/47, inzwischen „Brückenjahr“
  3. wird durch Kooperationskalender erleichtert 65 ff/54ff
  4. ist im  Grundschulerlass für die Seite der Grundschule verbindlich geregelt, auf den ausdrücklich verwiesen wird 53/46.

 

© Bü/QfuerKIII