Erziehungskurse

Immer mehr Eltern suchen Unterstützung, Rat und Hilfe beim Umgang mit ihren Kindern. In Amerika soll es 5.000 unterschiedliche Arten solcher Kurse geben. Der „Nachilfe-Unterricht“ in elterlicher Pädagogik, der freundlicher „Elternbildung“ heißt, boomt auch in Deutschland.
Hier gibt es im wesentlichen 6 große Kursangebote.
Wenn Sie Genaueres zu diesen und anderen Angeboten lesen wollen, empfehle ich Ihnen die Aufsatzsammlung der Kölner Pädagogik-Professorin Sigrid Tschöpe-Scheffler, Konzepte der Elternbildung – eine kritische Übersicht, ISBN 3-938094-21-4, 2005, 350 S., 25 Euro

Hier folgt ein kleiner, subjektiver Vergleich von R. Bühne, Erziehungswissenschaftler aus Rotenburg, der für QfürK verantwortlich ist. Am Ende steht eine sehr kurze Zusammenfassung des Rates aus allen Kursen.

1. Elternführerschein

Pädagogische Ausrichtung: Selbstreflexion und Selbsterfahrung der Eltern, Vermittlung von Annahme und Respekt
Entwickelt von: Diakonisches Werk (evangelisch)
Kursziele: Vorbeugung von pädagogischen Problemen,
Aufbau guter Beziehungen zwischen Eltern und Kindern,
Stärkung elterlicher Vorbildfunktionen,
Klärung eigener Erziehungserfahrungen der Eltern
Kursdauer: 10 Doppelstunden
Kosten: 90 Euro pro Person, 140 Euro für Paare,
Geeignet für Eltern: die selbstreflexionsfreudig sind,
denen sehr an einer guten Beziehung zu ihren Kindern liegt,
die keine schnellen Lösungen suchen
Informationen: www.erziehungsfuererschein.de (wenig informativ)
TIP: Fragen Sie mal in der evangelischen Kirchengemeinde nach, ob die nicht kostenlos für Eltern so einen Kurs anbieten will. Dazu müssen Sie nicht evangelisch sein.

2. Gordon-Familientraining

Pädagogische Ausrichtung: Erziehung ist vor allem „richtig Reden“ und Konflikte so lösen, dass alle damit zufrieden sind
Entwickelt von: amerikanischen Psychologen
Kursziele: vor allem Kommunikationstraining,
Einüben befriedigender Konfliktlösungsstrategien
Kursdauer:10 dreistündige Sitzungen oder 5 ganztägige Sitzungen
Kosten: zwischen 80 und 350 Euro
Geeignet für Eltern: die sprachlich kompetent, diszipliniert und entwicklungsfähig sind,
die gern mit ihren Kindern viel reden,
die eher ältere pubertierenden Kinder haben
Informationen: www.GordonModell.de

TIP: Die Kursinhalte sind für Eltern und Kinder lesbar und umsetzbar seit 1980 auch im preiswerten Taschenbuchformat erschienen: Thomas Gordon, Familienkonferenz (in der Praxis), Goldmann-Taschenbuch u.a.

3. KESS

Pädagogische Ausrichtung: Stärken der Kinder sehen, Ermutigung der Kinder, Regeln entwickeln und einhalten
Entwickelt von: Schülern des Individual-Tiefenpsychologen Alfred Adler im Auftrag der Katholischen Kirche
Kursziele: KESS ist die Abkürzung für: kooperativ, ermutigend, sozial, situationsorientiert – das ist die Kurzfassung der Ziele für das elterliche Verhalten
Kursdauer: 5 mal 2 Stunden
Kosten: zwischen 50 und 100 Euro
Geeignet für Eltern: kleinerer Kinder,
die ihre Kinder bewusst stärken und ermutigen wollen,
die konsequent sein wollen und können,
die sich zutrauen, auf Lob und Strafe zu verzichten
Informationen: www.kess-erziehen.de
TIP: Die Kursinhalte sind für Eltern lesbar und umsetzbar seit 1995 auch im preiswerten Taschenbuchformat erschienen: Rudolf Dreikurs (u.a.), (zum Beispiel) Kinder fordern uns heraus, dtv-Taschenbuch u.a.

4. Starke Eltern – Starke Kinder

Pädagogische Ausrichtung: familientherapeutisch, erwartungsklärend, kommunikationstrainierend
Entwickelt von: Deutscher Kinderschutzbund
Kursziele: Aufbau guter Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, Klarwerden über Werte und Ziele der Eltern,
Verbesserung der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern,
Einbezug der Kinder in Entscheidungen und Regelabsprache
Kursdauer: 8 – 30 Kursstunden
Kosten: 70 bis 180 Euro
Geeignet für Eltern: die bereit sind, über eigene Ziele und Werte nachzudenken;
mit Kindern ab 11;
die keine schnellen Lösungen suchen/brauchen
Informationen: www.starkeEltern-starkeKinder.de

5. Step

Pädagogische Ausrichtung: Eltern und Kinder sind gleichwertig, Kommunikationstraining insbesondere für das Formulieren von Bedürfnissen und Gefühlen für beide Seiten
Entwickelt von: amerikanischen Entwicklungspsychologen (STEP heißt: Systematic Trainig for Effective Parenting)
Kursziele: Vermittlung von entwicklungspsychologischen Kenntnissen, elterliches Verhaltenstraining, Umsetzung demokratischer Denkweisen in den Familienalltag
Kursdauer: 10 zweistündige Treffen
Kosten: 190 Euro für Einzelpersonen, 300 Euro für Paare
Geeignet für Eltern: denen sehr an einem „demokratischen“ Erziehungsstil liegt,
die Interesse an Entwicklungspsychologie haben (es gibt Kurse mit Schwerpunkt 0 – 6, 6 – 12, 12 – 18 Jahre), ihr Kind verstehen wollen
Informationen: www.inStep.online
TIPs: Kann auch im Kindergarten angeboten werden; gibt’s auch zum Selbststudium mit Buch- und Video-Material
Gut nachvollziehbar für das Kindergartenalter dargestellt im Buch von Dinkmeyer u.a., STEP Das Elternbuch – Die ersten 6 Jahre, ISBN 3-407-22877-5, 16 Euro

6. Triple P

Pädagogische Ausrichtung: Eltern sind die Chefs der Kinder und sagen denen, wo es lang geht. Tun die Kinder, was die Eltern wollen, bekommen sie Lob und Anerkennung – tun sie es nicht, müssen sie mit Konsequenzen und Strafen rechnen („Verhaltenstherapie“).
Entwickelt von: australischen und amerikanischen Psychologen (Triple P steht für: Positive Parenting Program)
Kursziele: Reduktion kindlichen Problemverhaltens,
Aufbau einer liebevollen Beziehung zwischen Eltern und Kind,
elterliches Verhaltenstraining: ignorieren, Punkte vergeben, „Stiller Stuhl“
Kursdauer: 4 Treffen von zweistündiger Dauer, anschließend noch 4 telefonische Beratungen
Kosten: 50 – 250 Euro
Geeignet für Eltern: die Sendungen wie „Super-Nanny“ lieben – die basieren nämlich auf Triple P,
die schnelle, wirksame Lösungen für ihre Erziehungsprobleme suchen
die den Eindruck haben, bei ihnen seien die Kinder die Chefs
Informationen: www.TripleP.de (sehr informativ!)
TIP: Fachkompetenz und Absichten der Anbieter überprüfen!

 

Gibt es Gemeinsamkeiten der Kurse in Bezug auf das, was sie Eltern raten?

Ich glaube, es sind diese:

  1. Eltern, klärt gemeinsam, was euch am wichtigsten im Leben ist (eure Werte und Ziele) und macht das den Kindern durchsichtig.
  2. Begegnet euren Kindern mit Freundlichkeit, Respekt, Verständnis und Konsequenz.
  3. Behandelt eure Kinder wie gleichwertige Menschen, nicht höherwertig und nicht minderwertig wie ihr selbst. Bezieht sie möglichst oft in Überlegungen und Entscheidungen ein.
  4. Traut euren Kindern viel zu. Ermutigt sie oft. Schaut mehr auf ihre Stärken und ihr Können, als auf ihre Schwächen und Fehler.
  5. Nehmt euch Zeit für eure Kinder. Redet, spielt und unternehmt viel gemeinsam mit ihnen.
  6. Verhaltet euch selbst vorbildlich für eure Kinder.
  7. Sprache ist vielleicht das wichtigste Erziehungsmittel. Darum lohnt es sich für viele besonders, das sprachliche Verhalten gezielt zu trainieren.

Übrigens finden Sie hier auf der QfürK-Seite unter „Elternbriefe“ eine etwas konkretere Beschreibung davon, wie genau dieses in Ihrem Kindergarten umgesetzt wird.

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